Gemeinsam Geschichte schreiben

Entwicklung von didaktischen Materialien für interkulturelles historisches Lernen

Im Projekt Gemeinsam Geschichte schreiben werden didaktische Materialien für ein Geschichtslernen entwickelt, in dem die Unterschiedlichkeit und Vielfältigkeit von Geschichtsbezügen in der Einwanderungsgesellschaft einen Platz findet. Im  Mittelpunkt stehen dabei die Themenfelder: Umgang mit dem Nationalsozialismus, der Nahost-Konflikt und jüdisch-muslimisch-christliche Beziehungsgeschichten.

1. Didaktische Materialien zu einer multiperspektivischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus

Zur Erlangung von Geschichtsbewusstseins benötigen Jugendliche und Erwachsene (Quellen-)Materialien, die an lebensweltliche oder biografische Bezüge anknüpfen, über die Lernende in heterogenen Lerngruppen verfügen. Für Lernende in eher homogenen Lerngruppen wiederum bedeuten solche Geschichtsbezüge eine notwendige Perspektiverweiterung. Dazu gehören Themen wie die Rolle von Ländern des Nahen und Mittleren Ostens und Nordafrika zur Zeit des Nationalsozialismus, Muslime als Zwangsarbeiter, arabische Häftlinge in nationalsozialistischen Konzentrationslagern u.v.m. Mit diesen Themen soll die ereignisgeschichtliche Komplexität für die Lernenden zugänglich gemacht werden. Sie können dabei erfahren, dass sich, ähnlich wie in den besetzten europäischen Staaten, auch im Nahen und Mittleren Osten und in Nordafrika Einzelne auf einer Skala positioniert haben, die von Kollaboration über Indifferenz bis hin zu Widerstand und zur Rettung von Jüdinnen und Juden reicht.

2. Didaktische Materialien zu jüdisch-muslimisch-christlichen Beziehungsgeschichten

Um dem Denken in einfachen Schwarz-Weiß-Mustern entgegenzuwirken, ist es notwendig, die Vielschichtigkeit jüdisch-muslimischer-christlicher Beziehungsgeschichten in ihren vielschichtigen Facetten zu thematisieren. Religionshistorisch bieten die Entstehungsgeschichten von Christentum und Islam und ihr sich jeweils entwickelndes Verhältnis zum Judentum Ansatzpunkte. Weitere beziehungsgeschichtliche Ansätze bieten die Themen: Kreuzzüge, Spanien unter muslimischer Herrschaft oder die Stellung von Juden und Christen in islamischen Gesellschaften. Daneben bietet eine Beschäftigung mit der klassischen Periode des Islam und der sich darin entwickelnden Wissenschaften Ansatzpunkte.

3. Didaktische Materialien zum Nahost-Konflikt

Die Entwicklung der Materialien zum Nahostkonflikt erfolgt aus der direkten Projektarbeit mit jüdischen und muslimischen Multiplikator/innen. Diese setzen sich in einer Fachgruppe mit historischen und aktuellen Aspekten auseinander. Eine vertiefende Auseinandersetzung mit dem Nahostkonflikt erfolgt darüber hinaus durch eine Reise in die Region und dortige Begegnungen mit zivilgesellschaftlichen Akteuren, die direkt von dem Konflikt betroffen sind. Die Reise ermöglicht den Teilnehmer/innen eine intensive Auseinandersetzung mit den Narrativen der Konfliktpartner sowie ein tiefer gehendes Verständnis und einen empathischen Zugang. Zu den Projektzielen gehört es auch zu verstehen, dass der Nahostkonflikt unterschiedliche legitime Positionen auf israelischer und auf palästinensischer Seite beinhaltet. Eine empathische und multiperspektivische Orientierung zielt nicht auf die Übernahme der jeweiligen Gegenposition, sondern auf der Anerkennung von deren Legitimität. Daneben ist auch eine Auseinandersetzung mit undemokratischen und hoch problematischen Positionen, die die jeweils andere Seite in keiner Weise anerkennen, erforderlich.