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Auszeichnung für Miphgasch/Begegnung e.V.

Das "Bündnis für Demokratie und Toleranz - gegen Extremismus und Gewalt" hat am 23. Mai 2001 in Berlin beim Forum "Jugend für Demokratie und Toleranz" vier engagierte Initiativen ausgezeichnet, die sich im Kampf gegen Rechtsextremismus und Gewalt vor Ort einsetzen.

Bei der Auswahl von Gruppen wurden, mit unterschiedlicher Gewichtung, folgende Kriterien zugrundegelegt:

  1. die Aktion der Gruppe ist nachahmenswert;
  2. sie ist ideenreich und regt bisher Unorganisierte zum Mitmachen an;
  3. die Gruppen praktizieren ziviles Engagement;
  4. die Gruppen sind in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen (z. B. Schule, Jugendarbeit, Ausbildung) angesiedelt und bilden durch Themen und Methoden ein vielfältiges Spektrum ab (Integration von Migranten, Erinnerungsarbeit, Antisemitismus, Aktionen auf der Straße/Veränderungen in Institutionen).

Bei der Auswahl wird keine Reihung vorgenommen. Die Auszeichnung "Botschafter für Toleranz" soll Impuls sein für die Stärkung und die größere öffentliche Anerkennung der Projekte.

  • "Ausländische" Betriebe bilden aus (Projekt von "Aktion Courage")
  • Jugendgeschichtswerkstatt Miphgash
  • "Bunt statt Braun - Köpenicker Jugendbündnis"
  • N.O. - Initiative für ein gewaltfreies Miteinander

MIPHGASCH/BEGEGNUNG e.V. ist ein 1995 gegründeter Verein, der Brücken zwischen nichtjüdischen und jüdischen Jugendlichen bauen will. Die Jugendgeschichtswerkstatt ist ein Projekt dieses Vereins.

Die Jugendgeschichtswerkstatt hat als eine außergewöhnliche Aktion den Ausschluss jüdischer Bürger aus dem öffentlichen Leben in der Nazi-Zeit szenisch dargestellt: am 26. Januar 2001 hat die Jugendwerkstatt ganztags eine Aktion in der S-Bahn Strausberg-Spandau durchgeführt (die sogenannte "Fahrende Ausstellung"). Jüdischen Bürgern war 1942 die Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln verboten. Diese Form des Ausschlusses vom öffentlichen Leben hat vielen Nutzern der S-Bahn am 26. 1. die alltäglichen Lebensbedingungen der jüdischen Bürger vor Augen geführt, sie nachdenklich gemacht und so neue Zugänge zum Thema eröffnet. Gestaltet wurde die "Fahrende Ausstellung" von Schülergruppen ab der 6. Klasse. Als Gäste nahmen u.a. Zeitzeugen teil.

Der Verein wird ausgezeichnet, weil er junge Menschen motiviert, als Multiplikatoren eines toleranten Miteinanders unterschiedlicher Kulturen zu wirken. Bemerkenswert ist auch das Credo des Vereins: "Der Holocaust begann nicht erst im 'fernen' Auschwitz, er begann hier - vor unserer Tür. Sich dieses Unrecht bewußt zu machen, bedeutet aber auch, sein eigenes Verhalten in unserer Zeit zu hinterfragen. Denn bei allen Unterschieden zur damaligen Zeit, im politischen und gesellschaftlichen Sinne, gibt es auch heute viele Menschen, die andere auf der Grundlage von vorgefassten Stereotypen beurteilen." Das außergewöhnliche Engagement der Gruppe wird außerdem deutlich, weil Sie nach einem Brandanschlag auf die vorhergehende Ausstellung in einem umgestalteten S-Bahnwaggon im vergangenen Jahr nicht aufgegeben hat, sondern das Thema in neuer Form darzustellen versucht hat.